05 Décembre 2012  |  Édito
Publié dans Oberflächen POLYSURFACES 06/2012

Edito (6/2012)

Innovation in der Oberflächentechnik
Wie viel Innovation muss sein? In unserem täglichen Leben scheint die Antwort klar: Wer nicht schon heute den neusten «I-pad mini» besitzt, gilt fast als asoziale, innovationsfremde und schlecht integrierte Person. An dieser Stelle kann man aber auch unsere vorschichtige Schweizer Haltung, die sich oft bewährt hat, als Gegenargument hervorrufen. Die Lebensdauer und Erfolge gewisser innovativen Technologien waren manchmal erstaunlich kurz. Exzellenz und Wettbewerbsfähigkeit sind auch in der Oberflächen/Galvanotechnik komplexe Angelegenheiten in denen mehrere technische aber auch wirtschaftliche Einflussfaktoren sehr genau betrachtet werden müssen.
Der Wettbewerb im Bereich der Oberflächenbehandlungen ist unerbittlich, vor allem was die tiefen Herstellungskosten im Ausland und die schwachen Euro- und Dollar-Wechselkurse betrifft. Ist es somit nicht ratsamer, die Schaffung neuer Arbeitsplätze nur für teurere Produkte mit «Nano- und Biooberflächen» zu forcieren? Die erste Reaktion wäre, diese Frage zu bejahen, aber auf dem Gebiet der traditionellen Oberflächentechnik besitzt die Schweiz Know-how und internationale Reputation. Schweizer Firmen haben immer noch Entwicklungspotential, doch die Qualität der Produkte spielt dann eine wichtige Rolle als Unterscheidungsfaktor von der globalen Konkurrenz. Diese Problematik wird während der Fachtagung 2013 der Schweizerischen Gesellschaft für Oberflächentechnik (SGO) thematisiert. Alle diese Ziele können nur mit einer soliden praktischen Ausbildung junger Angestellten erreicht werden, die ihnen erlaubt, Routinearbeiten präzis durchzuführen sich aber auch ein Vorstellungsvermögen für neue Produkte anzueignen.
Innovation erfordert aber auch, die industrieorientierte Forschung auf dem Gebiet der Oberflächentechnik zu verstärken. Die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) organisiert den von ihr geförderten Wissens- und Technologietransfer neu und beauftragt auch die Herstellung eines Netzwerkes für innovative Oberflächentechnologien. Ab kommendem Jahr haben sowohl «traditionelle» Unternehmen der Oberflächentechnik als auch solche, die mit modernster Oberflächentechnik in ihren Produkten Wettbewerbsvorteile anstreben Gelegenheit, ihre Innovationsideen oder Problemstellungen in diesem national tätigen Netzwerk einzubringen. Dem Netzwerkgedanken folgend, soll neben Impulsen aus der Forschung auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Industrie die Innovationstätigkeiten zusätzlich befeuern. Die SGO wird als Partner aktiv bei der Definition von Prioritäten mitwirken. Die Oberflächentechnikbranche sollte damit in der Schweiz stärker auftreten und diese Gelegenheit auch nutzen können, um vermehrt eine internationale Vernetzung anzustreben.
Abschliessend kann man als einen ersten Schritt in diese Richtung erwähnen, dass eine offizielle Schweizer Delegation Mitte November am Weltkongress «Interfinish 2012» der International Union for Surface Finisher (IUSF) in Mailand teilgenommen und dort eine Schweizer Session organisiert hat. Im August 2014 wird in Lausanne das 65. Meeting der Internationalen Gesellschaft für Elektrochemie (ISE) stattfinden. Es handelt sich um einen der weltweit wichtigsten Kongresse im Bereich der elektrochemischen Oberflächenbeschichtung und -charakterisierung.
 

Dr. Patrik Schmutz
Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Oberflächentechnik (SGO)


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