02 Novembre 2012  |  Édito
Publié dans Oberflächen POLYSURFACES 05/2012

Edito (5/2012)

Neuer Blick auf die Oberflächenbehandlung
In der Schweiz verlangen die Entwicklung und der Ausbau einer industriellen Aktivität ein gehöriges Mass an technologischer Innovation, nicht zuletzt auch im Hinblick auf die internationale Vernetzung. Die Unternehmen im Dienstleistungsbereich der Oberflächenbehandlung machen da keine Ausnahme. Deshalb ist es interessant, sich mit dieser Branche näher zu befassen und deren Lage in der Versorgungskette zu verstehen, um mögliche Differenzierungspotentiale zu finden. Tatsächlich sind sie oft ein wichtiges Element in dieser Kette und erkennen die sich ergebenden Möglichkeiten beim Endverbraucher nicht immer in letzter Konsequenz.
Die Schweizer Dienstleistungsunternehmen im Sektor Oberflächenbehandlung wären eigentlich gut beraten, vermehrt eigene Interessen wahrzunehmen und nicht einfach nur zu reagieren. Es geht also darum, sich nicht nur um die Anliegen der direkten Kunden zu kümmern, sondern sich auch mit denjenigen der indirekten Kunden, das heisst der Endkunden, zu befassen. Damit können sich ungeahnte Möglichkeiten eröffnen; der unbekannte Dienstleister entpuppt sich plötzlich als Lieferant von Hightech-Produkten. Dies bedingt meistens auch, Fachspezialisten beizuziehen, welche die Aktivitäten der Kunden besser verstehen als diejenigen der eigenen Firma.
Ich hatte die Gelegenheit, ein dafür vielsagendes Beispiel zu erleben. In den Achtzigerjahren hat man entdeckt, dass die Lebensdauer eines weitverbreiteten Maschinenteils durch eine verschleissfeste Beschichtung erheblich verlängert werden konnte; an und für sich nichts Aussergewöhnliches. Als diese Idee aufkam und die ersten Versuche stattfanden, waren diese Technologie und deren Anwendung bereits seit Jahrzehnten bekannt. Es gab also, wenn überhaupt, wenig Neues anzubieten. Die erste zündende Idee war jedoch, sich nicht mit der Anwendung der Beschichtung durch Zulieferanten zu begnügen, sondern eine Zusammenarbeit mit einem potentiellen Kunden zu suchen, mit dem Ziel, die ganze Fabrikation dieses Maschinenteils anzubieten, notabene mit Beschichtung. Dieses Produkt war eine wirkliche Innovation, auch wenn die dabei involvierten Technologien nichts Neues waren. Ein neuer Lernprozess war notwendig, um als Hersteller des entsprechenden Teils aufzutreten. Der Aufwand dafür hat sich gelohnt durch die Möglichkeit, Originalteile der Maschinenfabrikanten durch qualitativ bessere Teile bezüglich Lebensdauer zu ersetzen. Ein weiterer Vorteil lag darin, nicht der direkten ausländischen Konkurrenz im Bereich Oberflächenbehandlung ausgesetzt zu sein.
Diese Geschichte geht aber noch weiter. Durch den Zugang zum Umfeld der Kunden dank dieses Maschinenteils hat sich gezeigt, dass diese neue Oberfläche nicht nur verschleissfester war, sondern auch die Qualität der damit hergestellten Produkte entsprechend verbessert wurde - ein durchschlagender Erfolg. Der Preis für dieses «Superteil» wurde nämlich neben der erhöhten Verschleissfestigkeit und damit der Lebensdauer vor allem durch die Qualitätsverbesserung in der Produktion bestimmt. Die Belohnung folgte unmittelbar.
Geschickte technologische Innovationen sind sicher eine fundamentale Voraussetzung zum Erfolg. Ein neuer Blickwinkel auf Bestehendes kann jedoch genauso effizient sein.
 
Silvano Freti
Directeur adjoint
Laboratoire Dubois S.A.


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