03 Février 2012  |  Édito
Publié dans Oberflächen POLYSURFACES 01/2012

Edito (1/2012)

Spannende Ausgangslage
Wir dürfen auf ein ereignisreiches Jahr 2011 zurückblicken. Während alle auf eine weitere Konsolidierung und Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage nach dem Krisenjahr 2009 gehofft hatten, wurden viele Erwartungen und Hoffnungen in 2011 leider nicht erfüllt. Im Gegenteil: Mit dem Erdbeben vor der japanischen Insel Honshu, dem darauffolgenden Tsunami und den anschliessenden Atomreaktorenunglücken in Japan wurde erstmals seit Harrisburg im Jahre 1979 wieder ein westliches Hochtechnologieland mit den Risiken der Energieerzeugung durch Kernspaltung direkt konfrontiert. Gespannt schaute die gesamte Welt auf Japan und die Bewältigung dieser extremen Katastrophensituation. Die teilweise sehr hilflos wirkenden Versuche, das Austreten von Radioaktivität zu verhindern und die mangelhafte Informationspolitik der Betreiber und zuständigen Behörden, führten in den europäischen Ländern umgehend zu einer Überprüfung der bestehenden Atomanlagen durch so genannte Stresstests.
In der Schweiz geriet das AKW Mühleberg heftig in die Kritik. Der Bundesrat beschloss am 25. Mai 2011 den Ausstieg aus der Atomkraft bis 2034. Nunmehr gilt es, den energietechnischen Turn-around zu vollziehen und die Bereitstellung der benötigten Energiemengen durch erneuerbare Techniken sicher zu stellen. Es gilt nicht weniger als 38 Prozent, der durch Atomstrom gelieferten Elektrizität, zu ersetzen.
Gerade die galvanotechnische Industrie muss sich aktiv mit diesem Thema beschäftigen. Sinnvolle Energiekopplungen und Effizienzsteigerungen bei bestehenden Prozessen müssen in den nächsten Jahren unbedingt in die Planungen aufgenommen werden. Entsprechende Konzepte, zum Beispiel bei Gleichrichtern, sind bereits marktfähig. Selbstverständlich lassen sich diese Massnahmen nur in einem halbwegs gesicherten wirtschaftlichen Umfeld umsetzen. Die Herausforderungen für alle Betriebe im Bereich der Oberflächentechnik sind auch im Jahr 2012 überaus anspruchsvoll. Noch kann niemand sagen, ob es nicht doch zu Staatsbankrotten kommen wird und was die Konsequenzen für die Schweizer Wirtschaft sein werden.
Einen weiteren Stolperstein hat die ECHA in Helsinki den galvanotechnischen Betrieben in den bereits unsicheren Weg gelegt. Mit dem Entscheid, Chromtrioxid ohne Abstriche zulassungspflichtig einzustufen, stellt sich für viele Betriebe im Bereich Hartverchromung die Frage nach der weiteren Strategie.
Ein spannendes Jahr 2012 ist zu erwarten.
 

Manfred Beck
ERNE surface AG


POLYMEDIA SA | Av. de Riond-Bosson 12 | CH-1110 Morges | T: +41 (0)21 802 24 42 | F: +41 (0)21 802 24 45 | info@polymedia.ch