06 Juin 2017  |  Sécurité au travail
Publié dans Oberflächen POLYSURFACES 01/2017

Gefahrstoffe, Grenzwerte und Gefährdungen

Stefan Kühnis

Der 6. Gefahrstofftag Schweiz der Swiss TS schlug einen Bogen von den wichtigsten Neuerungen im Chemikalienrecht und der Lagerung von Gefahrstoffen über Grenzwerte am Arbeitsplatz und MAK-Wert-Messungen bis hin zu Gefährdungsanalysen.

Le 6e congrès suisse de Swiss TS sur les matières dangereuses a couvert un large spectre d’importantes nouveautés dans la législation sur les produits chimiques, allant du stockage des matières dangereuses aux analyses de risques, en passant par les valeurs limites d’exposition aux postes de travail et la mesure des valeurs VME.

30 Jahre und zehn Tage lagen zwischen den beiden Daten: In der Nacht auf den 1. November 1986 ereignete sich der Chemieunfall in Schweizerhalle, am Morgen des 10. November 2016 versammelten sich die Teilnehmenden des 6. Gefahrstofftages Schweiz in Opfikon. Diese beiden Ereignisse haben durchaus einen Zusammenhang, wie Tagungsleiter Matthias Mettke einführend erläuterte. Der Gefahrgut- und Gefahrstoffexperte der Swiss TS zeigte eindrückliche Bilder und Filme von damals und resümierte: «Der Chemieunfall in Schweizerhalle war die Geburtsstunde der Störfallverordnung, die am 1. April 1991 schliesslich in Kraft trat. Damit solche Dinge nicht mehr passieren.» Traditionsgemäss eröffnete Matthias Mettke den Gefahrstofftag Schweiz mit einem Überblick über die wichtigsten Änderungen im Chemikalienrecht und sprach auch den Geltungsbereich der Störfallverordnung und deren Regelungen an. Zudem informierte er in kompakter Form zu REACH 2018, zur geplanten Revision der Chemikalienverordnung sowie zu neuen Wegleitungen des Bundesamts für Gesundheit.
 
Manuel Calviño von der Encoma GmbH erklärt MAK-Wert-Messungen.
 
 
Lagerung von Gefahrstoffen
Schweizerhalle war auch der Auslöser zur Gründung der Muttergesellschaft der Denios AG – ebenfalls mit dem Ziel, dass solche Dinge nicht mehr passieren. Geschäftsführer Titus Zimmermann nahm sich dementsprechend dem Thema der Lagerung von Gefahrstoffen an. Ein besonderes Augenmerk legte er dabei auf die Unterschiede zwischen der reinen Lagerung und dem Umgang mit Gefahrstoffen. «Sobald ein Produkt geöffnet wurde, sprechen wir von Umgang», sagte Titus Zimmermann, «auch wenn wir es danach wieder schliessen und in den Schrank zurückstellen. Ist es nicht mehr originalverpackt, gehört es nicht mehr in die erste Kategorie.»
Unter diesen Aspekten ging Titus Zimmermann auf die Schweizer Gesetzgebung ein, zeigte deren Aufbau und Unterschiede zum Ausland auf und betonte die verschiedensten Eckpunkte, die es dabei unbedingt zu beachten gilt. Dabei sprach er unter anderem die Brandschutz-Richtlinien der VKF an, aber auch die Vorschriften rund um den Umwelt- und Gewässerschutz sowie zur Arbeitssicherheit. Er erläuterte Fragen des Brandschutzes sowie der Lagerung in Gebäuden und im Freien, und er gab Beispiele rund um brennbare Flüssigkeiten, die Anforderungen für weitere Stoffe, die nötigen Schutzabstände sowie Blitzschutzsysteme.
 
Titus Zimmermann von Denios Schweiz gibt Einblicke in die Gefahrstofflagerung.
 
 
Grenzwerte am Arbeitsplatz
Wie Grenzwerte definiert werden, ist häufig nicht klar nachvollziehbar. Mit Prof. Michael Arand, Präsident der Schweizerischen Grenzwertkommission der suissepro, lernten die Teilnehmenden einen Menschen kennen, der für solche Grenzwerte verantwortlich ist. «Grenzwerte versuchen den Punkt zwischen unschädlich und schädlich, zwischen nützlich und schädlich oder zwischen zu wenig und zu viel zu finden», sagte Michael Arand. «Sie haben eine Leitplankenfunktion. Ihre Einhaltung reduziert die Schadenswahrscheinlichkeit auf ein akzeptables Mass. Sie sind allerdings nicht in der Lage, einen stoffexpositionsbedingten Schaden komplett auszuschliessen. Und sie werden aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse immer wieder evaluiert und eventuell neu angepasst. Hier braucht es oft auch Augenmass.» Er erläuterte, was Grenzwerte tatsächlich können und was nicht, was die Folgen eines zu hohen oder zu tiefen Werts sind, weshalb es unterschiedliche Grenzwerte gibt und wie diese berechnet werden. Und er betonte: «Die Existenz von Grenzwerten garantiert noch nichts. Einem Monitoring mit guten Messverfahren kommt deshalb eine wesentliche Bedeutung zu.»
 
Diskussion über die Gefahrstofflagerung.
 
 
MAK-Wert-Messungen
Damit spielte er den Ball direkt zu Manuel Calviño von der Encoma GmbH. Der diplomierte Chemiker und Sicherheitsfachmann EKAS führt MAK-Wert-Messungen durch, also Messungen der maximalen Arbeitsplatzkonzentration. «Dafür braucht es Arbeitshygieniker», sagte er. «Nur sie sind in der Lage, Messungen korrekt durchzuführen und zu beurteilen sowie eine entsprechende Messstrategie zu definieren.» Manuel Calviño besichtigt jeweils den Arbeitsplatz und macht eine Gefährdungsanalyse. Er verschafft sich einen Überblick über die eingesetzten Stoffe und prüft, für welche Komponenten es Grenzwerte und Messmethoden gibt sowie welches Labor eine Analyse ausführen kann. «Eine Messung muss möglich und sinnvoll sein», sagte Manuel Calviño. Erst dann erarbeitet er eine Messstrategie, bereitet das Material vor und führt die Messung schliesslich durch. Dabei können verschiedenste Parameter die Messung beeinflussen: Die Konzentration, die Expositionszeit, die Nachweisgrenze und die Grenzwerte. «Es gibt verschiedene Wechselwirkungen, die man genau be­obachten und interpretieren muss», sagte Manuel Calviño.
 
Gefährdungsanalyse
Den Bogen schloss dann Ralf Mengwasser, Leiter Expertise Services Umweltsicherheit der Swiss TS, mit seinem Referat zur Gefährdungsanalyse rund um Gefahrstoffe. Er erläuterte die sieben wesentlichen Schritte einer Gefährdungsanalyse und zeigte an verschiedenen praktischen Beispielen auf, wie Gefahrstoffe gekennzeichnet sind, wie sie in den Körper gelangen, was sie dort verursachen können, wer in der Pflicht ist dies zu verhindern – und mit welchen Massnahmen dies gelingen kann. «Unfälle sind keine Zufälle», sagte Ralf Mengwasser. «Technische Massnahmen sind gut, aber sie sind kostenintensiv und können manipuliert werden. Organisatorische Massnahmen sind oft wenig wirksam. Und die persönlichen Schutzausrüstungen dürfen nur das allerletzte Mittel sein. Deshalb: Falls möglich, sollte ein Gefahrstoff durch einen ungefährlichen Stoff ersetzt werden. Wenn dies gelingt, hat man am meisten erreicht, und dann werden alle anderen Massnahmen überflüssig.»
Der 7. Gefahrstofftag Schweiz findet am 9. November 2017 statt. Das Programm wird ab Sommer 2017 unter www.gefahrstofftag.ch ersichtlich sein.
 
Swiss TS – Wir geben Sicherheit
Im Rahmen des Kompetenzzentrums für technische Sicherheit und Risikomanagement der SVTI-Gruppe bietet die Swiss TS Technical Services AG eine umfassende Dienstleistungspalette auf dem Gebiet der Sicherheits- und Umwelttechnik aus einer Hand an. Von sicherheitstechnischen Prüfungen, Konformitätsbewertungen, CE-Kennzeichnung und Zertifizierungen, Dienstleistungen in den Bereichen Arbeitssicherheit und Gefahrgut über Begutachtungen und Expertisen bis zur Aus- und Weiterbildung. Die Kunden profitieren, nebst dem vielfältigen Angebot, auch von der internationalen Vernetzung der Swiss TS. Sie ist akkreditiert und von der EU anerkannt als benannte Stelle für die Konformitätsbewertung von Druckgeräten (CE1253).
 
 
Swiss TS Technical Services AG
Matthias Mettke
Richtistrasse 15
8304 Wallisellen
Tel. 044 877 61 33
Fax 044 877 62 10
matthias.mettke@swissts.ch
www.swissts.ch


07 Mai 2015  |  Sécurité au travail

Wissen und Anschauungsunterricht

La 4e Journée suisse des matières dangereuses de Swiss TS, qui s’est tenue mi-novembre 2014 à Spreitenbach, a attiré quelque 65 participants. Si les conférenciers ont transmis, le matin, de nombreuses connaissances de base bien utiles, l’après-midi a servi à les mettre en œuvre.
24 Décembre 2015  |  Sécurité au travail

Fokus Brandschutz in galvanischen Anlagen

Outre la protection des employés contre les immissions et autres dangers aux postes de travail, la protection incendie dans la construction des installations de galvanoplastie a gagné en importance au cours de ces dernières années. Une technique de pointe, qui identifie déjà des sources de dangers potentiels lors de la conception des installations et les élimine, assure aux entreprises qui investissent, la préservation de la valeur de l’installation, contribuant ainsi à éviter les arrêts de production.
Polymedia Meichtry SA | Chemin de la Caroline 26 | 1213 Petit-Lancy | Genève | T: +41 22 879 88 20 | F: +41 22 879 88 25 | info@polymedia.ch